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Hast du Töne? Neues aus der Klangkombüse! – ein Artikel von Kantor Andreas Brunion, Neustadt

Die Krise kam im März 2020 – alle geplante Musik kam auf den Prüfstein. Unsere Generalprobe mit Kinderchor, Kantorei, Posaunenchor und Solisten war gerade nicht mehr möglich, das Konzert entfiel.

Alles türmte sich in mir auf. Was sollte ich tun?

Dann kam der Gedanke: türmen, Turm ….. Nimm deine Trompete und verbreite vom Kirchturm Hoffnung! Drei Fenster ermöglichen ja den Klang nach außen. Gedacht getan, am 20.3. begann ich damit.

So begann eine Serie von Aufstiegen, deren Verlauf ich nicht ahnte. Gehe ich 40 mal hinauf, reicht es dann, oder …70? Mittlerweile sind die 200 überschritten … und der Auftrag vor Gott ist für mich noch nicht zu Ende.

Zu Ostern könnte es einmal eine Abwechslung geben, dachte ich bei mir. So setzte ich mich hin und versuchte eine 2-stimmige Fanfare über Christ ist erstanden auf’s Papier zu bringen. Ging doch! – Einmal ist keinmal, in der Zeit um Pfingsten wiederholten wir das. Ich schrieb eine neue Fanfare. Dann kam der Schritt aus zwei Stimmen mach drei. Seitdem spiele ich mit Philharmonikern aus Lübeck.

11.48 Uhr gehe ich hoch, die knapp 85 Stufen erfordern ein Beruhigen des Atems, sonst wird das mit dem ruhigen Trompetenton nichts. Ein Gebet, dann 11.53 Uhr spielen; denn zu 12 Uhr lassen die Glocken alles erschauern, was hören kann.

Daß zwischendurch ein Ventil klemmt, daß bei zwei Turmbesteigungen auf einmal ungezählte Fliegen an den Fenstern saßen wegen toter Tauben, daß man eines Tages Fenster putzen muß, damit die Notenblätter bei feuchtem Dezemberwetter auf der Scheibe kleben bleiben, gehört zu den unplanbaren Erlebnissen auf dem Turm.

Daß immer wieder Menschen innehalten und hernach applaudieren, daß mein Zahnarzt die Routinekontrolle mit den Worten beginnt „Zuerst muß ich mich ja einmal richtig bedanken…“ Wie bitte? Ach so, ja, gerne! Oder daß in einer Wohnung gegenüber der Kirche im 2. Stock eine Dame am offenen Fenster sitzt, um nicht nur selbst zuzuhören, sondern der über 90-jährigen Freundin in einem Neustädter Stadtgebiet das Zuhören mit Handy ermöglicht, sind die anderen Seiten. Ein Dachdecker ließ auf dem Dach gegenüber vernehmen, ob ich nicht etwas Moderneres spielen könne.  Tja, machen Sie es mal allen recht!

Neben dem Spielen allein entstanden mittlerweile 12 dreistimmige Fanfaren.

Ups – ich war erstaunt über alles Bisherige! In der Krise lag ein Keim: mit Gottes Hilfe entstand ein Geflecht, wie ich erst jetzt bemerkte.

Daraus entstand das Fanfarenprojekt fanfarissimo – unerhört – caritativ.

Drei Vorteile werden Sie als möglicher Käufer dabei in Gange setzen: Sie erleben Freude, Sie bereiten anderen Menschen Freude, die durch Deutschland wahrlich grausame Folgen erlitten haben – und die heute so sehr gestreßten Paketzusteller können einmal mehr einen Briefkasten auslassen.

Ein Schlußgedanke sei erlaubt: Warum Israel? Gibt es nicht woanders…..? Ja, in der Tat!

Das diesjährige Jubiläum 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland erinnert uns zutiefst, wie sehr jüdisches Leben bei uns verankert war. Mir reicht es nicht, gegen Antisemitismus zu kämpfen, sondern ich möchte etwas für meine jüdischen und israelischen Freunde tun. Le chaim – auf das Leben!

Hier findet ihr noch einen Bericht des NDR zu den Turmmusiken von Andreas Brunion.

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