Rundschreiben Mai 2021

Liebe Chorleiterinnen und Chorleiter, liebe Bläserinnen und Bläser,

Ein Schiff, das sich Gemeinde nennt, fährt durch das Meer der Zeit. Das Ziel, das ihm die Richtung weist, heißt Gottes Ewigkeit. Das Schiff, es fährt vom Sturm bedroht durch Angst, Not und Gefahr, Verzweiflung, Hoffnung, Kampf und Sieg, so fährt es Jahr um Jahr. Und immer wieder fragt man sich: wird denn das Schiff bestehn? Erreicht es wohl das große Ziel? Wird es nicht untergehn? Bleibe bei uns, Herr! Bleibe bei uns, Herr, denn sonst sind wir allein auf der Fahrt durch das Meer. O bleibe bei uns, Herr! (EG 612, 1)

Wir Hamburger und Schleswig-Holsteiner kennen das: wenn sich die Segelsaison dem Ende neigt, werden die Boote aus dem Wasser geholt und ins Winterlager gebracht. Dann heißt es, die Yacht für die nächste Saison fit zu machen: neuer Unterwasseranstrich, Motorservice, Holz schleifen, Tauwerk erneuern und was sonst noch so anfällt. Im Frühling kommt der große Moment, auf den sich alle Freizeitkapitäne freuen: das Boot wird zu Wasser gelassen und ist bereit für den nächsten Törn!

Natürlich ahnt ihr schon alle, was wir mit dieser Geschichte erzählen wollen: unsere Posaunenchöre sind im März 2020 von einem Tag auf den anderen ins Trockendock verlegt worden. Plötzlich waren wir ein Risiko und eine Gefahr. Ostern 2020: Christi Auferstehung im piano und am Bildschirm.

Naja…dann eben wieder nach den Sommerferien! Aber die Hoffnung hat sich auch schnell zerschlagen. Das war dann mehr so „Schlauchboot“ – eine kurze Paddeltour im Hafen. Neuer Anlauf zu Weihnachten: jetzt aber! Ja, auch draußen, und mit Abstand, und mit Hygienekonzept, und mit wenigen Bläser*innen. Aber dann kurz vorher die Absage – Stille Nacht…sehr stille Nacht für Viele. Seitdem befinden sich einige Posaunenchöre wie ein U-Boot auf Tauchfahrt.

Was für eine Durststrecke! Und ihr Chorleiterinnen und Chorleiter habt euch als ganz tolle Kapitäne erwiesen und euch vorbildlich um die Mannschaft gekümmert. Musik gemacht wie die fleißigen Fliesenleger, Jungbläser im Carport unterrichtet (ab Herbst mit HeizpilzJ), mit Emails und Telefonaten Kontakt gehalten und möglich gemacht, was möglich war – meistens regelkonform (vielleicht nicht immer so ganz?) – aber wir haben die Zeit bis jetzt überstanden, ohne dass wir ein Infektionsgeschehen verursacht haben. Danke für euren Dienst, euren Einsatz, eure Geduld! Was für ein Schatz, den wir da haben!

Mittlerweile erleben wir die ersten zaghaften Lockerungen: die Inzidenzwerte sinken, die Strandkörbe füllen sich, und den Menschen ist das kalte Regenwetter egal: Hauptsache, man kann mit Freunden wieder einen Kaffee auf der Terrasse trinken. Gemeinsam nass werden und frieren – ist das schön!!

Auch das Posaunenwerk macht sich mit dem Gedanken vertraut, dass das Posaunenchorleben nach den Sommerferien langsam wieder an Fahrt gewinnt. Wir haben (wie passendJ) zu einer Segelfreizeit im September eingeladen, und wir wünschen uns nichts sehnlicher, als dass wir bis zum Ende des Jahres noch ein paar Veranstaltungen auf dem Koppelsberg erleben können. Und natürlich freuen wir uns auf die Begegnungen mit euch. Zwar noch mit Abstand, aber nicht mehr in der totalen Distanz.

Mit anderen Worten: Das Schiff, das sich Posaunenchor nennt, sollte allmählich wieder aus dem Winterschlaf geholt werden. Und immer wieder fragt man sich: wird denn das Schiff bestehn?

Uns erreichen ganz unterschiedliche Meldungen: da gibt es Chöre, die sofort wieder loslegen können und wollen. Es gibt aber auch Chöre, die eher in eine ungewisse Zukunft blicken. Und es gibt leider auch Chöre, die gemeldet haben, dass sie den Kahn nicht wieder flott kriegen werden. In dem Wissen (eigentlich ist es vielmehr ein Ahnen), dass der Neustart der Posaunenchöre wohl sehr unterschiedlich gelingt, haben wir uns von Seiten des Posaunenwerks überlegt, wie (und ob) wir Hilfestellung leisten können. Vier Szenarien erwarten wir:

  1. Es wird Chöre geben, die ohne große Verluste die Arbeit wieder aufnehmen.
  2. Es wird Chöre geben, die einen Mitgliederschwund und Verlust an Jungbläsern in einem Maße zu verzeichnen haben, dass Sorge besteht, ob die Arbeit fortgeführt werden kann.
  3. Wir werden Chöre verlieren, weil der Verlust an Bläser*innen dort zu hoch ist, und
  4. wir werden es vielleicht erleben, dass es Gemeinden gibt, in denen nach Corona eine große Aufbruchsstimmung herrscht, weil man den Wert von Gemeinschaft und Musik entdeckt hat. Hier ergibt sich vielleicht die große Chance, Posaunenchöre neu zu gründen.

Mit zwei Initiativen möchte das Posaunenwerk auf diese Szenarien reagieren. (s. Anlage)

Initiative RETTUNGSANKER, 16. Juni 2021, 19:30 Uhr

Wir möchten gerne mit denen ins Gespräch kommen, die sich Sorgen um den Fortbestand ihres Chores machen, und bieten dazu am 16. Juni eine Zoomsitzung an. Gemeinsam wollen wir überlegen, wie man sich gegenseitig unterstützen kann und welche Hilfestellungen gewünscht und benötigt werden. Gibt es erfolgversprechende Konzepte? Gilt es nur, eine Durststrecke zu überwinden? Braucht es eine besondere Aktion, um neu Motivation zu entfachen? Gilt es, in die Jungbläserausbildung zu investieren? Gibt es die Möglichkeit, sich in Nachbarchören mal eine Unterstützung zu holen? Welche Angebote wünscht man sich vom Posaunenwerk?

Die Teilnahme an diesem Gespräch ist unverbindlich. Vielleicht tut es ja einfach nur gut, einmal die Situation im Chor geschildert zu haben oder festzustellen, dass auch andere Chöre zu kämpfen haben mit dem Neustart nach der Pandemie, für die ja niemand schuldig gemacht werden kann. Und wir laden herzlich dazu ein: holt euch noch eine Bläserin / einen Bläser aus dem Chor mit zur Sitzung. Kommt miteinander ins Gespräch – „alleine mit Problemen fertig werden“ haben wir jetzt ausreichend gehabt. Und sollte es so sein, dass sich aus der Sitzung Arbeitsaufträge ergeben, dann seid ihr herzlich zur Mitarbeit und Unterstützung eingeladen. Nichts muss – alles kann…

Initiative SEGEL SETZEN, 18. August 2021, 19:30 Uhr

Öffentliche Proben vor dem Gemeindehaus, Bläsereinsätze auf Friedhöfen, fleißige Zoomangebote in den Gemeinden, bläserische Mitwirkung bei Online-Gottesdiensten, Konfirmationen in Fußballstadien oder Vorgärten, Einzelunterricht mit Jungbläsern in Gemeindehäusern mit 4 Metern Abstand… es ist ja nicht so, dass wir untätig waren! Und glaubt uns: das ist bemerkt worden! So mühsam das auch für uns Chorleiter*innen in der Vorbereitung war (und wir haben es immer nur als einen Notbehelf gesehen), –Andere haben unser Engagement und unser „Nicht-Aufgeben“ mit Bewunderung wahrgenommen. Vielleicht ist die Nach-Corona-Zeit eine günstige Zeit für Chorneugründungen? Vielleicht besteht jetzt grade neu Lust auf ein „analoges“ Hobby, auf tragende Gemeinschaft? Hätte, hätte – Fahrradkette! Antworten kriegt man nur, wenn man auch den Versuch unternimmt und fragt. Ein „Nein“ gibt es umsonst, ein möglicherweise verpasstes „Ja“ kann einen schlaflos machen. Also fragen wir und sprechen darüber mit Bläsern, im „bläserfreien“ Freundes- und Bekanntenkreis oder in den Nachbargemeinden. Möglichst vielen bieten wir den Termin am 18. August an, um das besondere „Ja“ zu bekommen, denn Gründe dafür gibt es in den verschiedensten Facetten:

Für diejenigen, die vielleicht bei der Initiative RETTUNGSANKER die Feststellung gemacht haben, dass ein totaler Neustart erforderlich ist. Für alle, die einmal in Erfahrung bringen wollen, was nötig ist, um einen Chor ins Leben zu rufen. Für die, die jemanden kennen, der weiß, dass in der Nachbargemeinde (aber nur bei Vollmond und in Schaltjahren)… Für die Bekannten, die sich unsere Geschichten von unseren besonderen Erlebnissen aus der Bläserwelt anhören müssen und selbst auch einmal „Bläserluft“ schnuppern möchten oder mit denen wir einfach gern unsere Leidenschaft teilen möchten. Wir sind der Meinung, dass dies ein lohnenswerter Versuch ist, der unter Umständen öfter angeboten werden sollte.

Hier gibt es das passende Plakat: Plakat *RETTUNGSANKER / *SEGELSETZEN

…und die anderen Szenarien?

Die erste Kategorie ist leicht zu beantworten: den Chören, die mit frohem Mut ihre Arbeit wieder aufnehmen, wünschen wir immer eine Handbreit Wasser unterm Kiel. Bleibt in gebotener Weise vorsichtig, aber genießt auch in gebotener Weise den Klang, die Gemeinschaft und die kommenden Einsätze!

Wir dürfen aber auch diejenigen nicht vergessen, die keine Chance oder Möglichkeit sehen, nach den Beschränkungen weiter zu machen. Wenn ein Chor sich auflöst, dann macht uns das traurig, und es ist mit Sicherheit kein Anlass zum Feiern. Trotzdem besteht die Möglichkeit, Danke zu sagen für alle Arbeit und allen Einsatz, der bis dahin erbracht worden ist. Da gibt es vielleicht Bläserinnen und Bläser, die jahrzehntelang ihren Dienst versehen haben, und es wäre doch schade, wenn die sang- und klanglos plötzlich von der Bildfläche verschwinden. Darum möchten wir an dieser Stelle herzlich darum bitten, sich an uns zu wenden, wenn der Wunsch besteht, ein offizielles Ende zu gestalten.

Ausblick

Die Sommerferien stehen kurz bevor, und die Landesposaunenwarte werden diese Zeit auch für den Urlaub nutzen, verbunden mit der Hoffnung, dass die Arbeit nach den Sommerferien im August langsam wieder Fahrt aufnimmt und der erste Blick in die Zeitung nicht mehr den Inzidenzzahlen gilt. Wir werden euch dann in geeigneter Weise Informationen zukommen lassen, für welche Freizeiten und Lehrgänge die Anmeldungen freigeschaltet werden, und wir hoffen darauf, auch mal wieder mit euch Musik zu machen.

Für alles, was ihr getan habt – aber auch für alles, was ihr unterlassen habt – möchten wir euch ganz herzlich danken. Bleibe bei uns, Herr, denn sonst sind wir allein auf der Fahrt durch das Meer! Das wünschen wir euch von Herzen! Bleibt gesund und optimistisch, erholt euch im Urlaub und den Ferien, und gewöhnt euch an den Gedanken, dass fis immer noch 2/3 gegriffen wird.

Mit herzlichen Bläsergrüßen

Conny, Jan, Daniel und Werner