
Zwischen Balken und Blech: PopUp! Konzert mit Felix Klieser in Barkow
Bewegende Momente in der "Blechscheune" des Posaunenwerks MV: Am Mittwoch haben der Hornist Felix Klieser und das Zemlinsky Quartett ihr NDR Kultur PopUp! Konzert in Barkow gespielt.
von Severine Naeve
Rund 100 Einwohner hat das kleine Dorf Barkow in der Nähe von Parchim in Mecklenburg-Vorpommern. Es ist zu vermuten, dass ein großer Teil davon am Mittwochabend in der sogenannten „Blechscheune“ im Garten des Pfarrhauses zu Gast waren. Mitten in diesem kleinen Ort hat nämlich etwas ganz Großes stattgefunden. Zwischen Hühnern und Birnenbäumen, zwischen Scheune und Pfarrhaus treffen sich in Barkow regelmäßig Menschen, die Musik lieben - und das ist das Glücksrezept für diesen Abend gewesen.
"Blechscheune in Barkow": Heimat für viele Bläser in MV
Ganz wundervoll sei es gewesen, er sei überwältigt, sagt ein Besucher aus Rostock. Eine Mutter und ihre Tochter aus Stavenhagen sind über anderthalb Stunden gefahren, um in Barkow dabei zu sein. Und das habe sich gelohnt: Star.-Hornist Felix Klieser und das Zemlinsky Quartett, bestehend aus vier Streichern, haben diesen ungewöhnlichen Ort, an dem das dritte NDR Kultur PopUp! Konzert stattgefunden hat, mit musikalischer Magie erfüllt. Und mit viel Mozart…
Die "Blechscheune" in Barkow ist übrigens wirklich eine ehemalige Scheune, ganz klassisch mit Holzgebälk. Blechscheune heißt sie so salopp, weil sie seit Jahren zur Heimat für viele Bläserinnen und Bläser in Mecklenburg-Vorpommern geworden ist. Die Handschrift von Posaunenwart Martin Huss ist an jeder Ecke dieser besonderen Musikoase zu spüren.
Vom "Kleingemüse" zu den "Uhus"
Die jüngsten Bläserinnen und Bläser des Posaunenwerks MV werden Kleingemüse genannt. Die Uhus sind Bläserinnen und Bläser, die über 50 und unter 100 Jahre alt sind. Herbert ist einer der ältesten Uhus. Manche behaupten sogar, er sei 94 Jahre alt. "Ich bin 29", sagt er zur Belustigung der Runde, die um ihn steht. "Und ich freue mich auf den heutigen Abend! Mal sehen, was wir erleben." Eine Frau erzählt: "Herbert ist der Einzige, der auf meinen privaten, gepolsterten Liegestuhl darf, um die Beine hochzulegen. Ich freue mich immer, dass du so treu nach Barkow kommst!" Herbert antwortet gerührt: "Dankeschön. Ich mag dich."
Felix Klieser: Noch nie in einem 100-Einwohner-Ort gespielt
In Barkow wird viel gelacht und sich gegenseitig sehr gern gemocht. Fast hätte man zwischendurch vergessen, dass Felix Klieser und das Zemlinsky Quartett Weltklasse-Musiker sind, die wahrscheinlich sehr lange nicht mehr vor nur 200 Menschen aufgetreten sind.
"Das ist definitiv der kleinste Ort, an dem ich in meinem ganzen Leben ein Konzert gespielt habe", erzählt der Hornist. Er sitzt nach dem Konzert draußen, quatscht mit seinen Fans, gibt Autogramme, beantwortet geduldig alle Fragen. Das übliche Prozedere nach Konzerten, einzig in Barkow, auf dem Kopfsteinpflaster-Innenhof vor der Blechscheune, erlebt man selten Weltstars, die ganz offensichtlich Spaß dabei haben, Musik an solch ungewöhnliche Orte zu tragen. "Man macht immer wieder etwas Neues im Leben", sagt Klieser. "Aber das ist ja das Schöne an diesen den PopUp! Konzerten, dieses Spontane, das Nicht-Einstudierte - ganz anders, als es normalerweise in den Konzerthallen ist."
Der Morgen
Zwischen Balken und Blech: PopUp! Konzert mit Felix Klieser in Barkow
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Glücklich und stolz: Nachwuchstalente spiele Zugabe mit Felix Klieser
Fünf Nachwuchstalente des Posaunenwerks MV durften mit Felix Klieser für die zweite Zugabe gemeinsam spielen. Sie hatten ihn schon einen Abend vorher kennengelernt und gemeinsam geprobt. Als die Fünf hinter Felix Klieser durch den Mittelgang der vollbesetzten Blechscheune zum gemeinsamen Auftritt einlaufen, stand kurz zu befürchten, dass die Scheune explodiert vor lauter Glück und Stolz. Im Gespräch nach dem Konzert mit NDR Kultur Moderatorin Friederike Westerhaus schien der Druck etwas abgefallen. Eine Musikerin erzählt: "Es war einfach super nett, als wir gemeinsam geprobt haben. Er hat das, was wir musikalisch umsetzen wollten, noch einmal so bildlich dargestellt für uns mit Witzen und Humor - das war super!"
"Nun danket allen Gott" haben sie gemeinsam gespielt mit Felix Klieser. Bach, Barock, Blechscheune, Barkow - was für ein Abend an diesem ungewöhnlichen Ort beim dritten NDR Kultur PopUp! Konzert.









