Liebe Chorleiterinnen und Chorleiter, liebe Bläserinnen und Bläser,

die Ferienzeit geht zu Ende, und es setzen bei uns die üblichen Automatismen ein. Schultasche packen, Autowäsche, Wechsel von kurzer auf lange Hose, Rasen mähen, Mund-Nasen-Bedeckungen auskochen, Suche nach dem Instrument für die erste Probe nach den Ferien…Moment – da war doch was?!

Immerhin – wir haben das Rundschreiben mit zwei Sätzen ohne das „C-Wort“ angefangen, aber schon im dritten Satz holt es uns wieder ein. 1. Welle, 2. Welle, Dauerwelle…was wie ein Frisörbesuch klingt, ist nach wie vor ernst zu nehmende Realität und beschäftigt uns auch nach den Ferien. Mit Sorge oder auch Erleichterung beobachten wir das Pandemiegeschehen grade wieder in dieser heißen Phase, wo viele aus dem Urlaub zurückkehren und die Schulen öffnen. Erleichtert stellen wir fest, dass eine große Mehrheit sich an die Regeln hält, mit Fassungslosigkeit registrieren wir aber auch das Verhalten einiger Menschen am „Ballermann“ oder auf der Demonstration in Berlin.

Und was machen wir nun mit unserem Instrument, das wir endlich gefunden haben?

Probenarbeit

Die Antwort auf diese Frage wird sehr individuell ausfallen und hängt zum Beispiel davon ab, wo ihr wohnt, wie groß euer Gemeindehaus oder eure Kirche ist und wie das Wetter am Probentag ist. In Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern sind Proben im Innenbereich unter Auflagen und Beachtung eines Hygienekonzeptes möglich – in Schleswig-Holstein derzeit nicht. Die Größe des Probenraumes definiert die Anzahl der Teilnehmer*innen. In Hamburg muss ein Mindestabstand von 2,5 m gewährleistet sein, in MV sind es 2 m. Die Probendauer ist begrenzt, es muss gelüftet werden, Kondenswasser ist mit Sorgfalt zu entsorgen…das alles ist den jeweiligen Landesverordnungen zu entnehmen.  Die Landesverordnung in Schleswig-Holstein ist diesbezüglich etwas unklar in der Formulierung. Nachfragen haben aber ergeben, dass ein Probenbetrieb im Innenbereich für Posaunenchöre nicht zulässig ist. Bleibt uns also das Wetter: viele Posaunenchöre proben unter freiem Himmel. Das ist ein Notbehelf, der solange funktioniert, wie es das Wetter, die Lichtverhältnisse und die örtlichen Gegebenheiten zulassen. Anfängerunterricht als Einzelunterricht oder auch in kleinen Gruppen (leider nur in Hamburg) ist dagegen schon seit einiger Zeit möglich. Bei allem bisher gesagten gilt, dass nichts ohne Absprache und Abstimmung mit der eigenen Kirchengemeinde stattfinden darf.

Gottesdienste, Ständchen, Konzerte:

Eine detaillierte Aufzählung dessen, was erlaubt bzw. verboten ist, würde hier den Rahmen sprengen. Generell gesprochen beschränken sich die Einsatzmöglichkeiten in Schleswig-Holstein auf das, was unter freiem Himmel stattfinden kann. In Hamburg gibt es bereits klare „Spiel“-regeln dafür. Auch hier gelten Mindestabstände, Begrenzung von Teilnehmerzahlen, Hygienekonzepte, sehr häufig  Erfassung von Daten, Zuhörerlenkung und anderes mehr. Veranstaltungen müssen gemeldet und genehmigt werden. Einsätze, wo der planerische und organisatorische Aufwand sich in Grenzen halten, könnten folgende sein: open-air-Gottesdienste, Blasen vor dem Gottesdienst, Ständchen vor Altenheimen oder Krankenhäusern, Geburtstagsständchen (draußen), Blasen auf dem Friedhof. Grundsätzlich muss alles genehmigt und abgesprochen sein. Im Zweifelsfall bitten wir Euch, beim zuständigen Gesundheitsamt nachzufragen.

Und es gilt der schöne Merksatz: Wir sind mit A B S T A N D die besten Posaunenchöre!

Ausblick:

Wir beobachten in den Posaunenchören Schleswig-Holsteins zunehmend eine gewisse Verärgerung bezüglich der bestehenden Landesverordnung (gültig bis zum 31.08.20), die im Kontext der Verordnungen anderer Bundesländer sehr restriktiv ist. In Zusammenarbeit mit LKMD Hans-Jürgen Wulf bemühen wir uns darum, Lockerungen im Bereich des Laienmusizierens zu erwirken, die dann auch wieder eine Perspektive für die Arbeit erkennen lassen. Natürlich werden wir euch sofort unterrichten, wenn sich Veränderungen abzeichnen. Dies wird aber sicherlich nicht vor September geschehen.

Lehrgänge und Freizeiten:

Während wir vor den Ferien noch pauschal unsere Freizeiten und Lehrgänge abgesagt haben, werden wir nun von Fall zu Fall entscheiden und so rechtzeitig wie möglich allen Bescheid geben, die sich angemeldet haben, ob die Maßnahme abgesagt werden muss oder doch unter bestimmten Bedingungen stattfinden kann. Wir haben für unseren D-Kurs den Lehrplan so geändert, dass wir in diesem Jahr den Theorieteil bearbeiten und prüfen. Für die Umsetzung dieses Konzeptes haben wir das Angebot „Ausbildung für Ausbilder“ sowie den Chorleiterlehrgang im Oktober in Heide jetzt begrenzt auf diejenigen, die den D-Schein erwerben wollen. Wir bitten um Verständnis für dieses Vorgehen, welches uns immerhin ermöglicht, dass überhaupt etwas stattfinden kann. Es gibt keine Pflicht, seinen gebuchten Platz auf einem Kurs auch wahrzunehmen. Wir nehmen in jedem Fall mit allen angemeldeten Personen persönlich Kontakt auf, bevor wir ein Angebot auf Landesebene anbieten, und klären alle offenen Fragen für jeden Einzelfall. Eine spontane Anmeldung durch fröhliches unangemeldetes Erscheinen haben wir im Regelfall mit einem gewissen sportlichen Ehrgeiz lösen können. Derzeit ist dies aber undenkbar.

Posaunentage in Plön und Hamburg

Es ist in diesen Zeiten nahezu skurril, aber wir planen derzeit ernsthaft zwei große Posaunentage. Einerseits den Posaunentag vom 10.-12. Juni 2022 in Plön, andererseits den Deutschen Evangelischen Posaunentag 2024 in Hamburg. Für den Posaunentag in Plön gilt, dass viele Informationen bereits auf der Homepage verfügbar sind. Allerdings werden wir mit der Werbung für den Posaunentag erst beginnen, wenn eine für uns eine verantwortbare Umsetzung des Posaunentages möglich erscheint.

Die Aussicht auf ein gemeinsames Tutti mit rund 1000 Bläser/innen in der Sommersonne vor dem Plöner Schloss scheint derzeit sehr weit weg. Ein besonderer Dank ergeht hier an das Planungsteam rund um Kantor Knut Matthiesen aus Giekau, das ohne Motivationsdelle trotz der unsicheren Prognose engagiert, kreativ und zielstrebig arbeitet.

Schlusswort:

Jahrelang hat der Koppelsberg mit dem biblischen Wort „Der Mensch lebt nicht von Brot allein“ (Matthäus 4,4) geworben. Es beschreibt sehr gut unsere aktuelle Situation, in der wir manchmal auch folgendes zu hören kriegen: „Jetzt nehmt euch und euren Posaunenchor doch nicht so wichtig! Wozu unnötige Risiken auf sich nehmen? Ist es nicht viel wichtiger, dass wieder Unterricht in den Schulen angeboten wird, dass die Menschen nicht in Kurzarbeit (oder Arbeitslosigkeit) geschickt werden und die Wirtschaft wieder auf die Beine kommt? Dann blast ihr eben alleine zu Hause!“ Stimmt!

- - - Stimmt nicht! Natürlich ist es von Bedeutung, dass wir unsere täglichen Bedürfnisse zunächst einmal sichern. Bildung ist wichtig, Arbeit ist wichtig! Wir lernen in diesen Tagen, dankbar für etwas zu sein, was wir lange Zeit als viel zu selbstverständlich betrachtet haben. Die meisten Kinder freuen sich richtig auf die Schule, und wie dankbar können wir sein, wenn wir „in Lohn und Brot“ stehen. Es hat aber nicht zwingend etwas mit Ignoranz zu tun, wenn wir feststellen, dass die Sicherung der Grundbedürfnisse unserem Leben noch nicht Sinn, Orientierung und Halt gibt. Wir haben ein Verlangen nach Trost, Hoffnung, Zuversicht und Gemeinschaft! Das finden wir alle auf unterschiedliche Art und Weise – und wir Bläserinnen und Bläser eben im Posaunenchor, in der Musik, im Miteinander und in unseren Chorälen.

Ist das nun unnötiger Luxus? Wir denken eher, dass es zutiefst menschlich ist, und darum wünschen wir uns sehr, dass es in absehbarer Zeit wieder möglich sein wird, genau diese Erfahrungen in unserem Posaunenchor zu machen. Vorsichtig zwar, mit einem Gespür für das Risiko und die Verantwortung, und leider noch nicht so, wie wir es in Erinnerung haben, aber in dem Wissen, dass auch unser Posaunenchor ein mindestens wöchentliches Bedürfnis ist, denn „der Mensch lebt nicht von Brot allein!“

Bleibt gesund und geduldig!

In der Hoffnung, dass wir uns bald einmal wiedersehen, mit ganz lieben Grüßen

Daniel, Jan & Werner